Fast wie früher – MAX RAABE & PALAST ORCHESTER

Man muss sich das so vorstellen: Eines Tages, Ende 2008, ruft Annette Humpe bei Max Raabe an. Die beiden kennen sich damals noch gar nicht lange, ein paar Monate. Annette sagt, ihr sei kürzlich eine Songzeile eingefallen, eine gute Songzeile, so gut, und gleichzeitig so wahr, also, man wundert sich, dass noch keiner darauf gekommen ist. Die Zeile heißt: „Küssen kann man nicht alleine“.

Das klinge doch wie ein Chansontitel aus den 20ern. Das klinge doch wie – Max Raabe! Jetzt gibt es also dieses Album: „Küssen kann man nicht alleine“. Annette Humpe hat es produziert, Max Raabe und Annette haben zusammen die Songs geschrieben. Seit 25 Jahren macht Max Raabe Musik, und er hat durchaus schon einige Lieder selbst komponiert, zum Beispiel den großen Erfolg „Kein Schwein ruft mich an“, aber noch nie eine ganze Platte. Es ist eine Premiere.


Die Zusammenarbeit dieser Künstler lag irgendwie in der Luft. Annette Humpe ist mit „Ideal“ berühmt geworden, Neue deutsche Welle, mit „Ich + Ich“ wurde sie sozusagen ein zweites Mal berühmt, sie hat als Produzentin unter anderem mit DÖF, Rio Reiser und Udo Lindenberg Erfahrungen gesammelt. Wenn jemand auf deutsch singt, und einen unverwechselbaren Stil besitzt, dann ist das eindeutig ein Fall für Annette Humpe. Mit Max Raabe verbindet sie der gemeinsame Sinn für Ironie, für fein dosierte Zwischentöne, und eine Weltsicht, die man vielleicht „heitere Melancholie“ nennen könnte. Vielleicht könnte man diese Weltsicht aber auch völlig anders nennen.

Dieses Album enthält zwölf Titel, die meisten handeln von der Liebe, viele erzählen eine kleine Geschichte, alle sind überraschend. Darunter ist das, mit hoher Wahrscheinlichkeit, erste deutsche Liebeslied, in dem, außer Leidenschaft, ein Papst, Günter Grass, der Eisbär Knut und Günther Jauch vorkommen. Auch ICE-Schaffnerinnen, deren erotische Ausstrahlung den Fahrgast so sehr überwältigt, dass er ärztlicher Hilfe bedarf, gehören nicht unbedingt zu den Klischees der Liebeslyrik. Wenn Max Raabe einen Geheimagenten auftreten lässt, dann ist dies natürlich kein lässiger Verführer wie James Bond, sondern ein schüchterner Mensch, der ganz in seinem Beruf aufgeht. Es sind Lieder, die auf dem schmalen Grat zwischen Witz und Wehmut balancieren. Sie amüsieren und schmeicheln dem Ohr und enthalten trotzdem eine Ahnung davon, wie sehr die Liebe weh tut, wenn sie in Abwesenheit jener zweiten Person stattfindet, die, man kann es nicht oft genug sagen, zum Küssen dringend erforderlich ist.

Musik wirkt ähnlich wie Psychopharmaka. Musik bringt einen in Stimmung, so sagt man doch. Man hört etwas Fetziges, und die Müdigkeit ist, zack, wie weggeblasen. Bekanntlich kann man mit Hilfe von Musik auch fröhlich werden, traurig, abmarschbereit oder zappelig. Die richtige Musik kann ein erotisches Interesse wecken, auf das man nicht zu hoffen wagte, da hat jeder so seine Erinnerungen.

Max Raabe verfügt als Psychopharmakon über ein extrem breites Wirkungsspektrum. Bist du melancholisch drauf, macht er dich noch melancholischer, bist du mental aber in einer heiteren Verfassung, dann lässt sich diese Heiterkeit durch eine Dosis Max Raabe noch einmal deutlich steigern.

Von diesem heiter-melancholischen Wirkungsspektrum Max Raabes kann sich das Publikum nun bald auch persönlich überzeugen. Max Raabe & Palast Orchester stellen das neue Album „Küssen kann man nicht alleine“ ab Februar 2011 im Rahmen einer großen Tournee live vor. Selbstverständlich fehlen auch die bekannten Klassiker des Palast Orchesters nicht im Konzertprogramm. Deutschland-Premiere feiert „Küssen kann man nicht alleine“ am 13. Februar 2011 in Hamburg. Bis Mitte 2012 stehen neben einer ausgedehnten Deutschland-Tournee auch Konzerte in Europa, Asien, Israel und den USA auf dem Tourplan.


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http://www.palast-orchester.de/

Kartsen Jahncke Konzertdirektion
Foto: credit: Gregor Hohenberg

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